Sonntagmorgen, die wohlige Ruhe aufsaugend tappe ich mit nackten Füßen in die Küche. Selbst Mini ist noch zu verschlafen um terroristisch durch die Wohnung zu heizen. Das Wochenende steht bei uns desöfteren im Zeichen des ausgiebigen, hochkalorischen, besonderen Frühstücks. Wir überlegen. Eher unkreativ. Einfach zum Bäcker und Brötchen? Laaaangweilig. Pfannkuchen? Hatten wir vorgestern. Rührei mit Speck? Ich will süß.

Auf meiner Suche durch das world wide web stoße ich immer mal wieder auf Buchteln. Sind das jetzt Germknödel? Laut Wiki ja und diese waren mir durchaus ein Begriff. Aber jetzt so zum Frühstück? Doch als ich die ersten hübschen Fotos von Buchteln sehe, entsteht sofort ein Bild vor meinem inneren Auge. Eine große, fluffige Wolke, die es sich in einer nostalgischen Auflaufform gemütlich macht und irgendwann muckelig warm und dampfend aus dem Ofen kommt. Das ist meine ganz eigene Buchtelvorstellung. Lecker. In meiner Phantasie sind sie nicht gefüllt. Nein, sie werden noch heiß auseinander gerissen. Aua! Butter drauf. Heeerlich. Noch schnell etwas Marmelade. Die Butter zerläuft. Mir taten im Geiste die Fingerkuppen weh und in meiner Nase kitzelten bereits die ersten Hefedüfte.

Ich hole schnell mein altes Grundbackbuch hervor und ein passendes Rezept ist schnell gefunden. Schwer sieht es auch nicht aus. Frische Hefe habe ich zu Hause.Mini ist nach einer ausgiebigen Vorzeigebuchtel-Fotosession auch einverstanden. Wir können also zur Tat schreiten.

Wir messen also fleißig Mehl und esslöffelweise Milch, diskutieren weshalb beim Mutter-Kind-Backen der Spaß und die Gemeinsamkeit im Vordergrund stehen und nicht das akribische Aufteilen von Rühren und Abmessen im Gleichheitsprinzip. Nur weil Mama einmal mehr rührt, heißt das ja nun lange nicht. „Du machst alles alleine“. Ist doch klar oder?

Mehl liegt in der Schüssel. Jetzt darf die Hefe hinein gebröselt werden. 3 EL (zimmer-)warme Milch dazu. Habe ich nicht. Nur Kühlschrankwarm. Also ab in den Topf. Leicht erhitzen. Wir diskutieren also munter weiter, wie unfair Mama doch ist, hat sie sich doch tatsächlich erdreistet, ein minikleines Stück der Hefe in die Mehlmulde zu bröseln, wurde doch abgesprochen, dass das Minis Aufgabe sei. Wenn das Muttertier dann auch noch die Milch zur Hefe geben darf. Ja dann, ja dann, dann ist das total unfair. „Du machst alles alleine“, „Ich mache nicht mehr mit“, sprachs. Und glaubt mir, ich stehe echt nur wie ein hilfloser Depp daneben und beobachte bemüht gelassen Minis Treiben. Das Telefon klingelt. Schnell noch die Freundin abgewimmelt und Milch zur Hefe. Ups in der Zwischenzeit köchelten drei EL Milch vor sich hin. Egal, pusten, zur Hefe und zu decken. Ruhen lassen. Vorfreude genießen.

Eine halbe Stunde später. Restliche Zutaten dazu und den Teig kneten, bis er Blasen schlägt. Stellt euch das bei uns so vor, dass Mama immer nervöser wird, denn Mini reißt eigentlich nur Teig auseinander, will den Teigbatzen aber auch nicht abgeben. Weil? Na wisst ihr es? Klar doch: Unfair! Von Teig schlagen, kneten und ordentlich durchlüften sind wir also recht weit entfernt und die gewünschten Blasen entstehen auch nicht. Das Teufelchen höhnt bereits: „Ha, da stimmt was nicht“. Ach das wird schon denke ich mir und decke den armen teigigen Kerl nochmals zu. Wohlgemerkt, nachdem ich mich endlich durchgesetzt habe, das finale Kneten selbst zu übernehmen. Davon wird es allerdings auch nicht besser. Egal. Riecht lecker nach Hefe. Ruhen lassen. Vorfreude genießen.

Und tatsächlich, bei sehr genauer Betrachtung, der Teig ist größer geworden. Oder doch nicht? Doch, klar. Kneten. Kugeln formen. Ab in die Auflaufform. Ruhen lassen. Vorfreude genießen. Ernüchterung.

Das kann so nicht stimmen. Keine Blasen. Kein Gehen. Keine Größenveränderung. Na vielleicht passiert das noch alles im Ofen. In einer Mischung aus Trotz und Hoffnung, schiebe ich das Desaster in den Ofen. Jawohl, 30 Minuten. Ihr könnte euch natürlich vorstellen, was dabei raus kam? Nichts. 12 harte Knödel. „Sieht doch ok aus, Mama“, „Nein, das sind keine Plätzchen, wie auf diesem Foto soll das aussehen“, „Oh“. Dank Google weiß ich das jetzt auch. Frische Hefe ist sehr empfindlich. Ab 45 Grad sterben die Hefeteilchen ab und nix geht mehr. Ätsch. Das war es. Also gibt es Waffeln.

 Waffelherzen

Das Rezept für den Dinkel-Waffelteig:

250 g Dinkelmehl

100 g Rohrzucker

250 ml Milch

125 g Butter

3 Eier

1 Vanilleschote

1 Prise Salz

½ Päckchen Backpulver


Die Eier kurz aufschlagen, mit Butter und Zucker zu einer schaumigen Masse verquirlen.

Mehl-Backpulver-Gemisch vorsichtig dazu sieben, weiter quirlen und mit Vanillemark und einer Prise Salz abrunden.

Vorsichtig die Milch hinein gießen und zu einem glatten Teig verrühren.

Waffeleisen erhitzen.

Teig hinzu geben, aber etwas weniger, sonst geht’s über.

Waffeln je nach Vorliebe ausbacken.

Fertig.

Kleiner Tipp: Waffeleisen statt mit Butter mit Kokosöl einpinseln; gibt den Waffeln eine feine Note


Rhabarberkompott:

250 g Rhabarber

50 g Rohrzucker

1 Prise getrocknete Vanille

1 Zimtstange

1 EL Honig

Abrieb einer halben Zitrone

Rhabarber gut waschen und schadhafte Stellen entfernen. Abziehen ist nicht notwendig, dann ist die Farbe nachher auch schöner (was mir leider eher weniger gelungen ist).

In 3-4 cm lange Stücke schneiden und mit Zucker und Zimt in 3 EL Wasser garen.

Achtet darauf den Rhabarber nicht zu weich zu kochen, so bleibt das Kompott leicht stückig.

Honig und Zitronenabrieb unterrühren.

Servieren.


Lasst es euch schmecken!

Eure Desi

Erzählt ihr mir von euren Hefeteig-Desastern? oder habt ihr ultimative Hefe-Tipps?

 

2 replies on “Was des einen die Buchteln, sind des anderen die Waffeln

  1. Ach, Hefeteig…. eigentlich kriege ich das immer ganz gut hin. Nur habe ich ein Partybrötchen-Rezept, das nie etwas wird, wenn ich die Milch durch Wasser ersetze. Die Brötchen gehen zwar auf, laufen aber platt auseinander und bilden einen großen, harten Fladen.

    Also immer Milch im Haus haben und Finger weg von VK-Teig.

    1. Ja, man braucht ein bisschen Fingerspitzengefühl, muss wissen wie es geht und dann klappt´s auch mit dem Hefeteig ;-) Ich musste erstmal googlen, was du mit VK-Teig meinst ha ha. Man lernt nie aus. Auf so etwas banales, wie Vollkorn wäre ich echt nicht gekommen. Ich dachte an Fertigteig, Tiefkühlteig usw….Danke für die Tipps :-)
      LG
      Desi

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